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Uhrzeit/ 09:16:53 // Datum/ 2019:Nov:21 / letzte Änderung



 Petra ist zurück

Sie lebte in Sabel. Das war jetzt längst Vergangenheit. So weit weg, wie das Leben des letzten Dinosaueriers auf unserer Erde. Sabel war zu eng geworden für sie. Sabel war es, wie Monate vorher ihre Ehe.
Sie hatten zwei Kinder großgezogen und plötzlich war ihr klar geworden, dass die ungeschriebene Absprache, die sie für ihr Leben, wie für dass ihrer Familie getroffen hatte, keine Gültigkeit mehr für sie besaß. Dann war sie von ihrem Mann getrennt.
Nein, nicht durch Scheidung.
Sie hatte sich einen  schnelleren Weg ausgedacht. Einen, der für sie nicht so nervenaufreibend gewesen war. Auch einen Weg, der widerspruchsfrei war. Als sie den Entschluss gefasst hatte, ging alles so schnell und reibungslos, wie sie es nie für möglich gehalten hatte.
Das Blut vermischte sich spurlos mit dem Flusswasser. Den Körper entsorgte sie in der städtischen Müllverbrennungsanlage. Spuren hatte sie für ihn hinterlassen. Da war eine über das Internet bestellte Fahrkarte nach Hamburg. Den Koffer und einen Teil seiner Lieblingssachen, die er immer mitnahm, wenn er wegfuhr, hatte sie auch in der Verbrennungsanlage entsorgt.
Die Polizei nahm die Vermisstenanzeige auf.
Dann löste sie ihren Haushalt auf, verkaufte den wertvolleren Teil der Habe, den anderen Teil verschenkte sie an Verwandte und Bekannte. Sie wurde bedauert. Erst betrog ihr Mann sie und dann machte er sich womöglich noch mit einer anderen Frau aus dem Staub. Es fiel ihr nicht schwer, eine entsprechende Maske aufzusetzen.
Sie hatte genug Geld. Es würde für ein weiteres sorgenfreies Leben bis zu ihrem Ende reichen. Nicht üppig zwar, aber ausreichend. Außerdem wollte sie sich etwas dazu verdienen.
Der Wahnsinn ging weiter. Kaum setzte sie sich in der Flughalle hin, schlug die Beine übereinander, wurde sie beobachtet, wie sie es nicht mochte. Da waren die Blicke der Männer. Das waren Blicke, die immer einer schönen Frau galten, die ohne Begleitung war, kaum hatten diese Männchen  ihre eigene Frau verlassen. War sie etwa Freiwild? Klar, sie wusste, dass sie gut aussah. Sie trug blondes Haar, die Lieblingsfarbe der meisten Männer. Ihr Hintern war ungewöhnlich sexy und sie trug heute hochhackige Schuhe. Der Rock war kurz und die Bluse eng. So fühlte sie sich wohl. Das war nicht, um Männer einzufangen!
Schon quatschte einer sie an.
Klar, sie flog nach London. Da wollte sie schon immer hin.
Sonst flog immer nur ihr Mann dahin, wenn er seinen Geschäften nachging.
Sie wollte wissen, was die Männer in London wohl so trieben.
Die Liebschaft kam schnell. Das Hotelzimmer war nicht besonders gut, wie die meisten normalpreisigen Hotelzimmer in London. Der Mann hatte 4 Tage Zeit für sie, dann musste er zurück. Er war gut im Bett, dachte er. Sie spielte mit.
Das Rückticket brauchte er nicht mehr.
Von der Landpartie kam sie allein zurück.
Als sie zwei Tage später in Edinburgh ankam, hatte sie schon ihr nächstes Opfer gefunden.
Sie war die Gottesanbeterin. Sie suchte sich ihre Opfer aus. Nur wenige überstanden mehr als vier Tage nach der ersten Liebesnacht. Sie durchreiste die Welt.
Manager auf der ganzen Welt verschwanden in den letzten Jahren. Plötzlich kamen sie nicht mehr von Dienstreisen zurück. Man kann nicht sagen, dass sie große Lücken hinterließen. Zum einen waren da Frauen, die plötzlich wieder frei waren und zum anderen wurden in den höheren Etagen Plätze frei, die man sicher noch schlechter besetzen konnte. Leistete sie etwa einen Beitrag dazu, eine künftige Finanzkrise zu verhindern? Jetzt lebt sie in Davos.
Schön ist es hier. Hier treffen sich viele Leute.
 
  JSEGG   (Nimm das nur nicht ernst!)



© Jörg Segger