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Uhrzeit/ 13:49:03 // Datum/ 2019:Jun:26 / letzte Änderung



 Nachdenkliches

Unruhe mit Moral

Wie funktioniert so etwas? Was ist da drin? Gleich zwei Fragen, die mich beschäftigten. Ich hielt eine Taschenuhr der Marke Ruhla, für etwa 6 DDR Mark, in der Hand. Ich hatte sie im Dorfladen erstanden. Eine Kette auch dazu. Leider riss die Kette aus der Verankerung an der Hose und die Uhr stürzte, als ich sie zur Übung zog – ich hatte es in einem Film gesehen und fand das cool – perfekt seitlich auf den Rand. Das Gehäuse war danach nicht mehr rund, sondern eiförmig und die Uhr tickte nicht mehr.
Daher beschloss ich diese zu öffnen. Auch die Ruhlaer Uhr – wir nannten die Uhren dieser Marke immer Ruhlawegwerfuhren – war ein Werk der Feinmechanik und ich hatte nur einen kleinen Schraubenzieher und eine Kombizange, für die Uhr, von gigantischem Ausmaß. Die Unruhe hatte es mir angetan. Ich schraube und werkelte und plötzlich kam mir eine metallene Feder und ein Zahnrädchen entgegen. Ich wollte das alles wieder einbauen. Je mehr ich aber da und dort werkelte, um so mehr Teile der Uhr lösten sich.

Am Anfang hatte ich gehofft, ich könnte die Teile ausbauen, das Gehäuse irgendwie wieder in eine runde Form bringen und die Teile wieder einbauen.

Zu guter Letzt hatte ich das Gehäuse wieder geschlossen aber jede Menge Zahnräder, eine Feder und winzige Schrauben über behalten. Die Teile lagen noch jahrelang in einer Schale auf meinem provisorischen Schraubtisch in meinem nicht beheizbaren Schlafzimmer. Manchmal, wenn ich spät Abends noch lernte – auch im Winter, wenn der Frost hübsche Schneeblumen auf die Scheibe des kleinen Fensters meiner Stube zauberte – sah ich die Teile in der Schale.

Manchmal ist es so: Je mehr man unternimmt, um so verfahrener kann eine Situation werden.



JSEGG 10.04.2015