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Uhrzeit/ 02:03:45 // Datum/ 2018:Dec:16 / letzte Änderung


 … Auszug: Leseprobe ...

Es passiert eine Menge in der Eifel. Morgentau lebt in der Eifel und besitzt ein besonderes Buch. Geschichten fallen in ihren Garten. … Die Geschichtchen kommen in Schwesterlaus Buch zu Aufbewahrung. Wenn sie reif sind werden sie gelesen... Vielleicht, eine Geschichte, woher das Buch kam?
Er packte Vorräte in den Rucksack und holte seine Tiere. Mimi die Kuh trotte langsam an seiner Seite. Auf dem Rücken der Ziege Mecker ritt Jojo die Maine Coon Katze. Wild sah sie aus, wie sie so ritt. Der Hund Bello suchte vor ihnen die Spur der Söldner.
Lange wanderte sie, merkwürdig anzusehen, durch den dunklen Wald. Noch kannte der Alte sich aus. Irgendwo an einer dicken Tanne hatte er eine Feldflasche gefunden, wie sie die Söldner jener Zeit bei sich hatten. Ein Zeichen, dass sie denen auf der Spur waren.
Dann kamen sie durch ein Tal. Bald bildeten hohe Felsen eine enge Schlucht. Ein reißender Bach stürzte sich durch die Schlucht. Der Weg war gefährlich nah am Abgrund. Mimi die Kuh rutschte ab und an mit ihren Klauen auf dem matschigen Grund aus. Schweigend ging der Alte seiner Gesellschaft hinterher.

Der Hund Bello lief plötzlich aufgeregt hin und her. Der Alte rief ihn, band die Kuh Mimmi an einen Baum, wie auch die Ziege Mecker. Jojo die Katze folgte ihm und dem Hund dicht auf. Hinter einem Felsvorsprung versteckt, lauschte der Alte. Eine Frau schrie plötzlich. Der Alte griff seinen dicken Wanderstab fester und stürmte los. Hinter ihm die Katze Jojo und Bello der Hund. Dann erfasste er die Situation. Einer der Söldner, ausgerechnet der große, kräftige wollte sich über eine Frau hermachen. Zum Glück war er allein. Die Frau hatte ein Kind in den Armen. Ihr Mann lag auf dem Weg und rührte sich nicht. Der Söldner griff nach dem Kind und warf es, wie ein Lumpenbündel, in ein Gebüsch. Die Frau schrie und wollte zu ihrem Kind.
Der Söldner hatte leichtes Spiel. So dachte er.
Doch bevor er die Frau greifen konnte, schlug der Wanderstab des Alten auf seinen Kopf ein und er sackte zusammen.
Die Frau wimmerte noch immer. Der Alte sah nach dem Kind und stellte fest, dass es, dick in einer Decke gehüllt, weich im Gebüsch gelandet war. Er brachte es der Frau und kümmerte sich um den Mann, der stark am Kopf blutete. Aber er lebte noch.
Bald kam der Mann wieder zu sich. Die Frau verband ihn gekonnt. Der Alte kümmerte sich um Pferd und Wagen der kleinen Bauernfamilie.
„Jetzt habe ich nur noch den Hauptmann und die zwei anderen Söldner zu finden. Der hier ist tot. Leider kann er nichts mehr sagen“, meinte der Alte bedauernd und fragte: „War der allein?“ „Ja. Er stürzte sich hinter einen Felsvorsprung auf mich. Ich konnte nichts mehr machen“, meinte der Bauer und hielt sich den Kopf.
„Ich gebe euch die Kuh...
Die Milch würden sie gut brauchen können.
„Die Kuh kommt uns gelegen.Wir wollen zu unserem Hof. Der liegt eine Stunde von hier versteckt im Wald. Wir wollten zum Markt. Unsere Kuh ist gestorben. Es gibt aber keinen Markt. Da sind nur Söldner. Also wollten wir zurück und da war der da!“
Er zeigte auf das Grab, dass sie für den Söldner etwas abseits des Weges hergerichtet hatten. Der Alte trug am Gürtel das Schwert des Söldners, als er mit der Ziege Mecker, der Katze Jojo und dem Hund Bello weiter zog. Die Nacht brach herein. Aus Ästen baute er sich ein Schutzdach. Der Alte fiel in einen traumlosen Schlaf. Als die Sonne im Tau des Grases blitze, wurde er wach. Die Ziege meckerte leise. Bello spitzte die Ohren. Ganz in der Nähe zogen Menschen vorbei. Vorsichtig näherte sich der Alte dem Waldweg. Da zogen Händler durch den Wald. Allerlei Waren mussten sie geladen haben, denn die Pferde strengten sich gewaltig an, um die Wagen auf dem weichen Waldweg vorwärts zu ziehen. Der Alte rief hinter ihnen her. Sie erschraken, erkannten aber bald seine friedlichen Absichten. Einen guten Mann mit Schwert kann man in diesen Zeiten immer gebrauchen. Nach Stunden zogen sie in eine Stadt ein. Der Alte erkundigte sich nach dem Hauptmann und den beiden Söldner. Sie waren hier vorbei gekommen. Man hatte die Stadttore verschlossen und sie mussten weiter ziehen. Die Stadt war wehrhaft. Sie witterten Beute und würden sicher Verstärkung holen. Jedenfalls erfuhr der Alte, dass der Hauptmann etwas in ein Tuch gewickeltes bei sich trug. Der Alte erkannte bald, dass der Hauptmann sein Buch in einer seiner Tischdecken gewickelt hatte. Der Hauptmann suchte jemanden, der ihm aus dem Buch vorlas, da er, genau wie seine Söldner nicht lesen konnte. Es wurde Zeit, dass der Alte sein Buch wieder bekam. Er zog weiter. Bello der Hund suchte die Fährte, die Ziege Mecker ging an seiner Seite und Jojo die Katze ritt auf der Ziege. Die Stadtkinder lachten hinter ihnen her. Woher sollten sie auch wissen, wie wichtig es war, dass der Alte sein Buch wieder bekam? Nur selten reicht unser Verstand aus, Dinge richtig beurteilen zu können.
Kurz bevor er den Weg entlang der langen Stadtmauer abgeschritten hatte und zwischen den Felder gehend, wieder in den Wald eingetaucht war, hörte er etwas jammern. Der Hund lief schon los. Die Ziege fraß am Wegesrand und Jojo stürzte sich in einen Heuschober und fing eine Maus. Der Hund war schon längst da. In einem Baum, oben in der Spitze hielt sich krampfhaft ein Jüngling und drohte abzustürzen. Der Alte kam und als der Jüngling an ihm vorbei flog, gelang es ihm, dessen Flug zu bremsen. Beide stürzten auf den Boden. Der Jüngling war geschockt. Er hatte mit einem harten Aufprall gerechnet. Der Alte hatte sich einen Arm verdreht, war aber sonst in Ordnung.
„Vielen Dank“, meinte der Jüngling und ehe der Alte etwas sagen konnte war er verschwunden. Der Alte ging zu seiner Ziege und gemeinsam zogen alle weiter.
So zog er drei Tage durch den dichten, Angst einflößenden Wald. Der Hund hatte immer noch eine Spur. Plötzlich kamen sie an ein altes, halb zerfallenes Kloster. Mitten im Wald, herrlich zwischen zwei Seen gelegen, lag es einsam vom Nebel verschleiert. Dann sah er den Hauptmann. Sicher hatte der gehofft, einen des Lesens kundigen Mönch hier zu treffen.
Das Kloster war aber längst im Krieg zerstört wurden. Hier waren nur die zwei Söldner, der Hauptmann und der Alte mit seinen Tieren.
Der Alte wartete die Nacht ab.
Die Ziege band er an einen Baum. Hund und Katze begleiteten ihn, als er dem Lager der Söldner einen Besuch abstattete. Plötzlich verschwand Bello.
Der Söldner, der auf dem Hof des Alten Schießübungen gemacht hatte, hielt Wache, die anderen schliefen am Lagerfeuer.
Der Söldner hatte kein Chance. Der Alte wartete hinter einem Mauervorsprung und als der Söldner sich umdrehte, weil Jojo die Katze nach einer Maus sprang und ihn damit ablenkte, bekam er den Wanderstab über den Kopf gezogen. Der Alte fesselte ihn. Dann ging er zum Lagerfeuer. Als er gerade sein Buch unter dem Kopf des Hauptmannes hervor ziehen wollte, griff der andere Söldner ihn und der Hauptmann stand lachen auf: „Hast Du etwa gedacht, wir schlafen? Für wie dumm hältst Du uns, Alter?“ Der Alte erwiderte nichts und sah zur Seite. „Binde ihn und dann wird er hängen!“, sagte noch immer grinsend der Hauptmann. Nach kurzer Zeit dann: „Kannst Du lesen?“
Der Alte antwortete noch immer nicht. Selbst in Todesgefahr durfte er nicht aus dem Buch lesen, solange Gewalt in der Nähe war.
„Na gut“, meinte dann der Hauptmann „dann wirst Du hängen!“
Der Alte machte eine schnelle verzweifelte Bewegung. Todesangst verlieh ihm unglaubliche Kräfte. Der Söldner war überrascht und musste den Alten, dem er keine so schnelle Bewegung zugetraut hatte, loslassen.
Schnell hatte der Hauptmann sein Schwert gezogen....
... Blut und Hirn nur so spritzten.
Der Alte hatte unerwartet Helfer...
Man kann nie wissen, wann man Freunde braucht. Der Alte ging zum Lager des Hauptmannes und wickelte das Buch aus.
„Bevor wir die beiden Kämpfer zum Gericht in die Stadt führen, lese ich euch etwas vor“, sagte der Alte und setzte sich an das Feuer.
Die Ziege Mecker hatte sich losgerissen und kam näher, wie die Katze Jojo, der Hund Bello, der Jüngling und der Bauer und setzten sich an an das Feuer.
Der Alte las eine Geschichte, die war so schön, dass die Zuhörer, egal ob Mensch oder Tier, sich im Paradies glaubten, alle Sorgen vergaßen und Mut und Kraft für das Leben schöpften. Als der Alte geendet hatte und das Buch zuschlug, dauerte es viele Minuten, ehe jemand etwas sagte. ...

Noch eine Geschichte, die im Buch wachs, bis sie gelesen werden konnte.

 Tatsächlich Glück

Er stürmte in die Lottoannahme. ...
An der Tür rammte er eine junge Frau. Er hatte noch einen Blick in die Zeitschrifteinauslage geworfen, um nach der neuesten Ausgabe der Wanderzeitschrift „Flotte Sohle“ zu schauen. Die junge Frau hatte sich im Eingang der Lottoannahme noch einmal umgeschaut, um zu überprüfen, ob sie ihr Fahrrad richtig abgeschlossen hatte.
Harald Federschuh war schwerer als die junge Frau.....
... eifrig bei der jungen Frau und fragte, „Was passiert?“ Die Frau sagte: „Nix, eben nur Kaffee!“
Harald Federschuh bestellte sechs Kaffee. Warum nicht?
Als der Kaffee fertig war, verteilte er ihn. Mit zwei Tassen in der Hand fragte er die jungen Frau: „Kommen Sie mit nach draußen?“
„Gerne.“
Dann wurde sie rot im Gesicht. Jedenfalls dachte er das, sehen konnte er es nicht genau, da sie dunkelhäutig war.
Harald stellte den Kaffee ab, beide setzten sich, dann fragte er nach ihren Namen. „Ich heiße Mandoline!“
Da Harald gerade Kaffee getrunken hatte, pustete er etwas vom Kaffee auf den Tisch. Er musste richtig lachen. Wohl auch, weil er auf ihren Busen geschaut hatte, der durch den eng anliegenden Pullover besonders zur Geltung kam.
„Mandoline?“
„Ja, Mandoline Okabata. Meine Eltern fanden den Vornamen so schön. Als sie nach Deutschland kamen war ich schon unterwegs. Einen Namen für mich hatten sie noch nicht. Sie wohnten mitten in der Stadt und Vater kam immer an einem Musikgeschäft vorbei.“
Jetzt lachten beide.
Harald Federschuh sah zur Uhr und stellte fest, dass die Zeit in netter Gesellschaft viel zu schnell vorbei ging.
Mandoline Okabata musste auch wieder zur Arbeit. Die Mittagspausen waren zu Ende. „Tja, ich habe ab Morgen Urlaub.“, sagte Harald Federschuh mit hörbarem Bedauern. „Hm, ich hab viel zu tun die nächsten Wochen. Wann sind Sie aus dem Urlaub zurück?“ „Och, das dauert.“
„Ach so.“
„Ja. Hmm. Ich bin fünf Wochen auf Wanderschaft. Es geht über die Alpen. Mal so richtig ausspannen!“ „Ja. Hmm.“
„Ich komme hier öfter vorbei!“ „Gut. Dann wünsche ich einen schönen Urlaub!“ „Danke!“
Harald stand noch eine Zeitlang da und sah Frau Mandoline Okabata zu, wie sie ihr Fahrradschloss öffnete und sich gekonnt, trotz viel zu engem Rock, auf dem Fahrrad entfernte. Das war scharfes Weiß! Enger weißer Rock und schöne Beine. Dazu diese lockenden Bewegungen. Man musste hinschauen. Autofahrer verrenkten sich. Er traf sich bald mit einer Wandergruppe.
Mandoline Okabata hatte nach kurzer Fahrzeit ihr Fahrrad angehalten. Sie drehte um und fuhr zur Lottoannahmestelle zurück. Sie hatte Glückwunschkarten vergessen. Das musste mit dem Zusammenstoß zusammenhängen.
Sie lehnte ihr Fahrrad wieder an den Baum und ...
... hatte ein fantastisches Zahlengedächtnis. Das hatte ihr dabei geholfen, die Banklehre mit der Note 1,1 abzuschließen. Ihre Ausbilder sagten ihr eine große Karriere voraus. Sie wollte etwas für das Land, den Kontinent tun, aus dem ihre Eltern flüchten mussten. Sie hatte mit Freunden eine Bank gegründet, die Kleinbauern und Kleinunternehmer aus Afrika bei der Existenzgründung unterstützt. ....“ Sie sagte aus dem Gedächtnis die Zahlen, die sie sich vom Vorablottoschein gemerkt hatte. Nach einer Woche gewannen ihre Zahlen. Sechs richtige im Lotto. Leider hatte sie den Jackpott nicht geknackt! Da aber nur zwei Personen einen Sechser hatten, lag die Gewinnsumme für den Sechser bei 1,6 Millionen Euro.
Der andere Gewinner hatte den Jackpott geknackt! Das konnte nur Harald Federschuh sein.
„Na ja, dachte sie,“ Harald Federschuh kommt ja noch rechtzeitig aus dem Urlaub zurück. Keine Aufregung!“
Die nächsten Wochen waren anstrengend für sie. Sie beriet sich mit ihren Freunden, was sie mit dem Geld anfangen sollten. Natürlich konnten sie jetzt ihre Bank viel besser mit Grundkapital ausstatten. Die Wochen vergingen. Dann kam der letzte Tag für die Auslösung des Gewinns. Mandoline Okabata und Harald hatte sich aus den Augen verloren. Beide waren sehr beschäftigt. Harald Federschuh war gerade zwei Tage aus dem Urlaub zurück und er musste seinen Schreibtisch auf der Arbeit erst einmal „frei arbeiten“.
Harald hatte längst vergessen, dass er einen ...
... er erkannte sie sofort.
Die Frau drehte sich herum, weil er „Mandoline“ rief.
Sie stieg ab und begrüßte ihn wie einen sehr guten Freund.
Sie sagte: „So, Herr Harald Federschuh, schnell, gehen sie schon. Nur noch wenig Zeit haben sie!“ Harald verstand überhaupt nichts.
„Was? Wie?“
„Na, nehmen sie schon mein Rad!“ „Wieso? Ich brauch kein Rad und ich kann mir auch selber eines kaufen!“ „Dummerchen! Da wartet ein riesiger Jackpott auf Sie!“ „Jackpott?“
Harald hätte fast einen Herzinfarkt bekommen.
Dann griff er das Fahrrad. Nur noch wenige Minuten, dann kann er seinen Lottoschein getrost wegschmeißen, wäre der ungültig.
Er raste wie eine gesenkte Sau. Aber er hatte ...
...
Schwetserlau hatte aus dem Buch gelesen.
Das Buch verstummte.

….Morgentau veränderte sich... Die Alte spürte den Zauber im Garten und wunderte sich darüber. Dann sprang sie auf und lief zur Mulde. Es hatte blopp gemacht! Nur einmal blopp! Da lag es nun. War es tot? Nein!
Die Alte hatte es im Unterbewusstsein gehört. Dadurch war sie wach geworden. Sie lief nach hinten in den Garten zur Mulde. Wieder lag eine winzige Geschichte im Garten. Es besaß eine Windel aus Blättern, die sich beim Sturz durch die Bäume angesammelt hatten. Das Geschichtchen blinzelte zuerst aus einem Auge und begann mit der einen Hand den Rasen, auf den es gefallen war, abzutasten. Ein Zauber hatte sich auf den Garten gelegt. Irgendwie vollzog sich eine Verwandlung der Frau. Krumm und alt wurde sie.
Die Alte spürte gleich, dass da etwas anders war, als bei dem Geschichtchen, das sie vor Tagen gefunden hatte und das jetzt längst fertig war. Sie bekam plötzlich Haare auf den Zähnen. Als sie mit der Zunge schnalzte, waren die Haare verschwunden. Sie trug das Geschichtchen in die Hütte. Das Buch hatte „Mir san` die lustigen Holz...“ gespielt.
Die Musik verstummte schnell. Der Staub vom Buch entfernte sich sofort und das Buch verkleinerte sich. Sie legte das neue Geschichtchen hinein.
Dann schlug sie das Buch zu. Als sie es auf das Schreibpult legte... Wie kann es sein, dass sie plötzlich krumm und im Gesicht so runzlig wurde? Wo leben wir denn? Es gibt Flugzeuge, Computer und Menschen waren sogar schon auf dem Mond. So, wie sich das Haus verzauberte, verzauberte sich auch Morgentau, wenn sie ein Geschichtchen aus der Mulde barg. Plötzlich war der Zauber, der den Garten umgab verschwunden. Der Kater sprang erschrocken von ihrer Schulter und Morgentau war wieder die normale Frau aus der Eifel.
...nachdem Morgentau eine Geschichte aus ihrem Buch gelesen hatte...
„Pah!“, Morgentau wunderte sich:“Wasn` datt für ein komisches Märchen? Eigentlich mag ich so neumodisches Zeug gar nicht! Na ja, da habe ich wohl zu lange mit dieser Geschichte gewartet?“ Dann schlug sie das Buch zu. Als sie es auf das Schreibpult legte, wurde das Buch wieder größer, Staub setze sich augenblicklich dick darauf und das Buch war bald so groß, wie das Schreibpult. Morgentau ging wieder in den Garten.
Lakritze war schon mitten in dem Märchen aus der Deckung in der Küche gekommen und saß seit dem auf ihrer Schulter. Als Morgentau ihn sacht an den Barthaaren streichelte, schnurrte der Kater glücklich in ihr noch immer gespitztes Ohr, dass sie fast einen Gehörsturz bekam. Sie fuhr das Ohr wieder ein und ging barfüßig in den Garten.
…. das Buch spielt manchmal auch Musik ...
Das Buch spielte „Shelter from the Storm“. Morgentau lief in die Stube. Sie schaute nach Konrad. Das Buch erhöhte die Lautstärke. Morgentau wurde ärgerlich, lief aber trotzdem zum Buch. „Endlich!“, sagte das Buch und atmete erleichtert aus, wobei ein Haufen Staub aufgewirbelt wurde. Morgentau griff zum Buch auf dem Schreibpult.
Der Staub vom Buch entfernte sich sofort … Kann sein, wenn die Worte dieser Geschichte verklungen sind, so ist die Welt eine Stück besser. Man hat darüber gesprochen. Worte können Medizin sein!


… und sie las auch diese Geschichte … eine Geschichte vom Sterben und so werden, wie wir dann geworden sind … und vielleicht vom Warum wir so geworden sind ...

 Die Kühlkammer

Das Haus lag etwas abseits der Straße auf einem riesigen Grundstück. Der englische Garten war fast noch im Original erhalten. Ihr Vater hatte sich lange damit beschäftigt, den Garten, der in den Jahren etwas verwildert war, wieder in Ordnung zu bringen. Dazu hatte er einen Gärtner und dessen Frau eingestellt. Das alte Herrenhaus würde in den nächsten Jahren ein neues Dach bekommen haben, wenn … ja wenn, es anders gekommen wäre, wie es dann kam.
Die Eltern saßen gefesselt auf den wunderschönen Barockstühlen im Wohnzimmer. Zuerst dachte der Vater noch, der Gärtner würde ihm zur Hilfe eilen oder dessen Frau hätte etwas bemerkt und würde die Polizei anrufen. Sandra hatte sich versteckt. Es war wie im Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Nur waren die Typen nicht der Wolf und Sandra kein Geißlein. Die anderen Umstände passten auch nicht zusammen.
Sandra konnte alles beobachten. Nein, sie musste alles beobachten, ...
... hatten ein großes Vermögen geerbt und es weiter vermehrt. Jeder konnte es wissen. Sie waren recht gut abgeschirmt und geschützt auf dem Grundstück abseits der Straße mit dem schönen englischen Garten und dem großen Herrenhaus. Die Leute, die sie überfallen hatten waren Profis. Die Polizeistation empfing alte, friedliche Bilder vom Anwesen. Alles schien normal zu sein.
Ihr Vater sollte Geld auf fremde Auslandskonten transferieren und weigerte sich.
Als am Gärtner ein Exempel statuiert wurde und dann an dessen Frau, hätte der Vater fast nachgegeben. Die Verbrecher waren aber so brutal, dass er Zeit gewinnen musste. Zeit zum Überleben. Eventuell bemerkt ja doch jemand, was auf dem Anwesen los ist. Er wurde immer wieder gefoltert. Sandra wollte...
... Immer wieder sah sie aber Einzelheiten. Wenn sie Ohren und Augen verschloss spielte, ihr die Fantasie noch schlimmere Sachen ein.
Ihre Mutter war dann plötzlich nicht mehr im Raum. Sie war nicht mehr.
Die Verbrecher wussten, dass sie im Haus war und suchten bereits nach ihr. Sie saß in einem engen Versteck aus dem Mittelalter. Der Geheimgang, der dazu gehörte war leider zugesperrt. Sie saß in der Falle. Sie verspürte weder Hunger noch Durst. So ungeheuerliche Sachen spielten sich im alten Herrenhaus ab.
Sie durfte nicht schreien. Sie durfte nicht aus dem Versteck kommen. Als sie wieder wach wurde, sah sie ihren Vater. Blutverschmiert und mit gebrochenen Händen im Stuhl gefesselt. Er jammerte nicht. Mit dem einen Auge, das er jetzt noch besaß, hatte er ihr zugeblinzelt. Sie hatte verstanden, dass sie sich nicht rühren durfte. Einer der Männer stand jetzt direkt an der Wandverkleidung ihres Verstecks. Sie traute sich nicht zu atmen. Dann begann sie plötzlich unkontrolliert zu zittern. Ihre Augen presste sie fest zu. Die Knöchel ihrer Hand schlugen leise gegen die Täfelung an der dieser Mann stand. Der sah nicht aus, als wenn er böse wäre. Sandra hatte gesehen, wie er des Gärtners Frau mit dem Gewehrkolben... Sie durfte nicht daran denken. Sie zitterte immer stärker. Der Mann an der Täfelung lauschte. Ihr Zittern übertrug sich zur Wandverkleidung.
Schlimmer war diese Frau. Schwarz gekleidet war sie. Dunkel waren ihre Augen geschminkt und sie hatte schwarzen Lippenstift aufgetragen und eine 43ziger Magnum ...
Sie musste vergessen. Wie sollte sie sonst dieses Zittern in den Griff bekommen. Noch hatten die Verbrecher nicht den Code.
Dann wurde die Täfelung aufgerissen und sie fiel auf das Salonparkett.
Sie dachte an nichts und sah immer nur diese Tropfen auf den Boden des Kühlhauses tropfen. Sie durfte nicht dahin sehen. Sie zwang sich und schließlich sah sie nichts mehr. Die Kälte spürte sie irgendwann auch nicht mehr und sie träumte sich durch alle Märchen, die sie jemals von ihren Eltern vorgelesen bekommen hatte und sie träumte Herr der Ringe. Es war ein großes Schlachten. Die Schlacht und viele Tote. Irgendwie war es doch war und wieder nicht.
Als man sie vom Haken nahm, hörte sie nur: „Sie lebt!“ Und erst Monate später konnte sie wieder sprechen. Nur sehen konnte, wollte sie nichts mehr. Sie hatte alle Bilder ausgelöscht. Jedenfalls die, die eine Erinnerung hätten heraufbeschwören können. Die schönen Erinnerungen aus der Zeit vor dem Schrecklichen, die sah sie noch immer. Aber nur in Gedanken. Die Augen weigerten sich seitdem, etwas über den Sehnerv an das Gehirn zu transportieren, was diese Welt da draußen signalisierte. Sie war blind.
Lange Jahre später hatte sie Psychologie studiert und alle Erinnerungen ausgelöscht. Sie mied Kälte. Am liebsten fuhr sie in warme Länder in den Urlaub und sie sonnte sich gerne.
Und sie hatte eine Gabe, sich in an andere Menschen einzuhören und deren Probleme psychischer Art zu lösen. Sie war eine gute Ärztin geworden!
Dann lernte sie im Zug einen Mann kennen, der eine Katze dabei hatte. Sie schrieben sich E-Mails und …


© Jörg Segger